Spinalkanalstenose

Rückenschmerzen sind Volkskrankheit Nr. 2 in Deutschland. Eine Ursache für Rückenschmerzen und weitere gravierendere Probleme kann eine Spinalkanalstenose sein.

 

Auf dieser Seite finden Sie viele Informationen bzw. häufig gestellte Fragen rund um die Spinalkanalstenose.

 

Wichtig für Betroffene: Bei länger anhaltenden und/oder sehr starken Schmerzen im Rücken mit Lähmungserscheinungen oder ausstrahlenden Schmerzen in die Beine, ist es unbedingt notwendig einen erfahrenden Facharzt aufzusuchen und die Ursachen hierfür abklären zu lassen.

Was ist überhaupt eine Spinalkanalstenose? Wie kommt es zu einer Spinalkanalstenose?

Bei der Spinalkanalstenose handelt es sich um eine Verengung des Rückenmarkkanals. Das ist der Kanal, welcher von den Wirbelkörpern gebildet wird und in welchem die Nervenstränge, also das Rückenmark bzw. die Nervenfasern, laufen.

Häufigste Ursache ist die Arthrose der angrenzenden kleinen Wirbelgelenke. Dabei kommt es erst zum Gelenkerguß und zur Schwellung der Gelenk-Kapsel, schliesslich auch zur Ausbildung von knöchernen Höckern kommt. Diese wachsen sowohl nach außen in die Muskulatur, wo es unbemerkt bleibt, aber genauso auch nach innen in den Rückenmarkkanal. Hier nehmen sie den Nerven den angestammten Platz und komprimieren sie. Die Nervenfasern werden eingeklemmt. Bei Bewegung führt das zu vermehrten Schmerzen und neurologischen Ausfallerscheinungen.

Des weiteren kann es durch Verschleißerscheinungen in der Bandscheibe zu Bandscheibenvorwölbungen oder auch einem Bandscheibenvorfall kommen. Hier entsteht eine Raumforderung von der anderen Seite in den Spinalkanal und der Platz für die Nerven wird noch enger.

Nicht so selten ist der Spezialfall der Spinalkanalstenose durch Wirbelgleiten. Durch Instabilität eines Segments der Wirbelsäule, also durch ein Verschieben der Wirbelkörper gegeneinander, wird dabei das Rückenmark im Kanal regelrecht abgeschert. Ausserdem werden die Neuroforamina, also die seitlichen Löcher, aus denen die Nervenwurzeln austreten, stark verengt und letztere eingeklemmt.

Eine Spinalkanalstenose kann grundsätzlich gering oder auch sehr stark bis hin zu absolut ausgeprägt sein. In letzterem Fall haben die Nervenfasern so gut wie gar keinen Platz mehr.

Wie bemerke ich, dass ich eine Spinalkanalstenose haben könnte? Welche Symptome gibt es?

Die typischen Symptome über die Patienten berichten, sind Schwäche und Schwere der Beine, meist zusammen mit Kribbeln, Taubheit und Schwäche. Überhaupt die Unfähigkeit längere Strecken gehen zu können, aber auch typischerweise Treppen rauf oder runter nicht bewältigen zu können, werden oftmals genannt. Ganz klassisch ist das Phänomen der sogenannten Claudicatio spinalis. Man nennt dies die Schaufensterkrankheit. Patienten berichten hier, dass sie nur wenige Meter gehen können und dann wieder anhalten müssen. Aus diesen Gründen sind Patienten mit Spinalkanalstenose oft auf einen Rollator angewiesen.

In besonderen Fällen müssen sich Betroffene sogar hinsetzen oder sich nach vorne beugen. Sie tun dies, da somit die Lendenwirbelsäule gestreckt und der Spinalkanal ein bisschen, wenn auch nur temporär, erweitert wird. Durch dieses Verhalten können Patienten die auftretenden Symptome etwas lindern.

Dies alles kann durch momentane Nervenausfallerscheinungen erklärt werden. Der Strom in den Nervenbahnen fließt durch die Komprimierung etwas weniger bis gar nicht mehr. Die Muskulatur erhält keine Innervation, d.h. keine elektrischen Signale. Dies wiederum führt zu Missempfindungen in den Beinen, zu Kraftlosigkeit, aber auch anfallsweise zu einem plötzlich auftretendem Kraftverlust. Das Hauptrisiko bei einer Spinalkanalstenose ist somit ein Sturz, bei dem sich die älteren Patienten durchaus sehr schwer verletzen können. 

  

Erfahren Sie mehr zu diesem Thema aus dem Beitrag
Spinalkanalstenose – Die unterschätzte Gefahr
auch erschienen im stern 27/2017.

 

Habe ich selber zur Spinalkanalstenose beigetragen? Hätte ich die Spinalkanalstenose verhindern können?

Ganz klare Antwort: „Nein“. Die Spinalkanalstenose ist eine typische Erscheinung des Alters. Grundsätzlich ist die Spinalkanalstenose eine Folge der altersentsprechenden Verschleißerscheinungen. Dazu ist zu wissen, dass der Mensch genetisch auf nur 20-25 Jahre angelegt ist. In den Jahren des Älterwerdens wird das Gewebe weniger elastisch, bzw. brüchig. Es treten Abnutzungserscheinungen der Bandscheiben und Gelenke auf. Das kann man auch durch bewussteste Ernährung, diszipliniertestes Training oder stringenteste Vermeidung bestimmter Belastungen nicht verhindern.

Ob ein Mensch früh oder erst spät, von geringen oder schweren Veränderungen betroffen ist, wird von sehr vielen Faktoren bestimmt. Auch schwerste körperliche Arbeit führt nicht automatisch dazu. Insofern kann der Patient der Entstehung der Erkrankung nicht entgegenwirken. Vor allem macht es überhaupt keinen Sinn, sich oder bestimmten Lebensumständen die Schuld an einer Spinalkanalstenose zu geben. Man muss sie einfach so wie andere Erkrankungen auch als schicksalhaft akzeptieren und damit umgehen.

Geht eine Spinalkanalstenose von selbst wieder weg?

Resultiert eine Spinalkanalstenose durch einen Bandscheibenvorfall, so kann sie tatsächlich gemeinsam mit diesem wieder verschwinden. In diesem Fall spricht man darum eigentlich auch gar nicht von einer Spinalkanalstenose. da diese nicht das Problem darstellt, sondern der Bandscheibenvorfall. Die Therapie ist darum auch anders, nämlich meist konservativ.

Eine echte durch knöcherne Einengung oder segmentale Instabilität resultierende Verengung des Spinalkanals verschwindet definitiv nicht mehr von allein. Darum ist eine Spinalkanalstenose letztlich durch keine anderen Mittel als eine operative Intervention zu beseitigen. Das soll aber nicht heissen, dass man sie immer auch operieren muss.

Kann ich durch einen konservativen Therapieansatz, z.B. mit Krankengymnastik oder Osteopathie, eine Spinalkanalstenose selber behandeln oder dieser entgegenwirken?

Mit Gymnastik oder Sport kann man der Spinalkanalstenose selbst nicht entgegenwirken, allerdings den Symptomen. Schmerzhafte muskuläre Verkrampfungen bestehen oft gleichzeitig. Dies sprechen auf Physiotherapie, auch Osteopathie, gut an. Die Spinalkanalstenose selbst lässt sich nicht verändern. Aber durch entsprechende Übungsmaßnahmen kann man eine Stabilisierung durch die Muskulatur fördern und somit der Zunahme einer Instabilität im Segment entgegenwirken. Gerade in dem Spezialfall Spinalkanalstenose durch Wirbelgleiten kann man durch muskuläre Kräftigungstherapie, zumindest in den Anfangsstadien, das Auftreten von Symptomen vermeiden. Ist es aber bereits zu einer dauerhaften Fehlstellung durch dieses Wirbelgleiten gekommen, kann weder muskuläre Kräftigungstherapie noch Sport etwas ausrichten. Es ist dann an dieser Stelle für die Nerven einfach zu eng und körperliche Aktivität führt dann manchmal sogar zu Verschlechterung. Grundsätzlich gilt aber: Aktiv bleiben hilft!

Wie kann man eine Spinalkanalstenose behandeln?

Zunächst geht man nach den Symptomen. Sind keine neurologischen Ausfallerscheinungen, also z.B. Kraftverlust in den Beinen, feststellbar und berichtet der Patient nicht über ein häufiges Stolpern oder gar Stürzen, kann man mit rein konservativen Mitteln eine Therapie beginnen. Hier würde man z.B. die muskuläre Kräftigungstherapie oder auch eine kontrollierte Distraktion einsetzen. In manchen Fällen kann eine Nervenreizung über spezielle Medikamente oder auch Injektionen wieder behoben werden.

Es muss also nicht jede Spinalkanalstenose operiert werden. Ist diese aber stark ausgeprägt und sind die Symptome derartig, dass eine permanente Sturz- und Verletzungsgefahr besteht, sollte in Abwägung der Risiken relativ bald eine Operationsindikation gestellt werden.

Bei einer Operation einer Spinalkanalstenose wird über einen kleinen Zugang   unter Verwendung spezieller mikrochirurgischer Werkzeuge eine Dekompression des Spinalkanals durchgeführt. Es werden knöcherne und weichteilige Raumforderungen vorsichtig abgetragen, so dass die Nerven im Spinalkanal wieder genügend Platz finden. Der ganze Eingriff bedarf relativ kurzer Zeit und erfolgt minimal-invasiv unter dem Mikroskop. Der stationäre Aufenthalt für die Patienten dauert im Regelfall nur wenige Tage.

Wie wird denn eine Spinalkanalstenose behandelt, wenn die Ursache ein Wirbelgleiten ist?

In diesem Spezialfall ist eine bloße Erweiterung des Spinalkanals in mikrochirurgischer Weise, welche der Regelfall wäre, nicht ausreichend. Vielmehr wäre die Folge einer Resektion der den Spinalkanal verengenden  knöchernen Anteile der Facettengelenke eine weitere Destabilisierung des Segments. Durch das Wirbelgleiten würde es zu einer noch stärkeren Deformität kommen. Aus diesem Grund muss die Dekompression beim Wirbelgleiten mit einer Form der Stabilisierung kombiniert werden. In der Regel erfolgt dies, gerade bei schweren Deformitäten, über die Versteifung mit Schrauben und Stäben. Dies ermöglicht es eine Reposition durchzuführen, d.h. einer Rückführung der Fehlstellung der Wirbelkörper gegeneinander und eine Fixierung in der natürlichen Position. Es gibt aber auch Zwischenlösungen. Hier wird mittels kleiner Implantate eine gewisse Stabilisierung hergestellt ohne eine Versteifung durchzuführen, so dass ein weiteres Abgleiten der Wirbelkörper vermieden werden kann.

 

Kann die Operation einer Spinalkanalstenose nicht komplett vermieden werden?

Sicher kann eine Operation vermieden werden indem man diese erst gar nicht durchführt! Die Frage ist vielmehr, ob sie sinnvoll ist, oder nicht. Eine Operation kommt schliesslich nur dann in Frage, wenn das alltägliche Risiko sich aufgrund einer Spinalkanalstenose zu verletzen oder neurologische Schäden davonzutragen das Risiko eines chirurgischen Eingriffs überwiegt. Dann allerdings wäre es aus meiner Sicht ein höheres Risiko von einer Operation Abstand zu nehmen, als sie durchführen zu lassen. Einer von einem Spezialisten durchgeführten, modernen, standardisierten und sicheren Operationsmethode ist normalerweise der Vorzug zu geben, wenn dadurch ein lebenslang fortbestehender Nachteil und ein zunehmendes Risiko behoben werden kann. Ein solcher Grundsatz des Abwägens aller Vor- und Nachteile und der jeweiligen Risiken gilt eigentlich immer für jede Operation.

Kein Patient ist gezwungen sich operieren zu lassen. Es sollte immer eine wohl überlegte Entscheidung sein. Dazu ist es aber wichtig umfassend aufgeklärt zu sein. Ärzte und Therapeuten, die kategorisch von einer Operation abraten ohne gleichzeitig auf das immanente Risiko der Erkrankung hinzuweisen und stichhaltige Verhaltensempfehlungen, unter anderem zur Unfallverhütung zu geben, sind in meinen Augen schlechte Ratgeber. Von einer OP abzuraten ist einfach und für den Ratgeber risikolos. Zuzuraten hingegen bedeutet Verantwortung zu übernehmen. 

 

Wird bei Spinalkanalstenose nicht viel zu oft operiert?

Eine Spinalkanalstenose kann ausschließlich operativ beseitigt werden.

Da die Spinalkanalstenose in der Regel erst im Alter auftritt und die Menschen grundsätzlich immer älter werden, benötigen immer mehr Patienten eine Operation. Da das Verständnis der Erkrankung durch wissenschaftliche Erkenntnisse heute ein wesentlich besseres ist, als in der Vergangenheit und die diagnostischen Möglichkeiten immer besser werden, wird häufiger eine Indikation zur Operation gestellt als früher.

Dennoch sind die Gefahren der Spinalkanalstenose in der Bevölkerung noch weitestgehend unbekannt und wird die Erkrankung von den meisten Ärzten noch immer unterschätzt. Je länger eine indizierte Operation hinausgezögert wird, desto grösser wird das Risiko von Nervenausfallerscheinungen, desto schwieriger und mithin gefährlicher wird aber auch die Operation.

Ist die Operation einer Spinalkanalstenose gefährlich? Welche Risiken gibt es?

Natürlich ist jede Operation mit einem gewissen Risiko verbunden. Komplikationen lassen sie sich grundsätztlich nie ausschliessen. Insbesondere Operationen an der Wirbelsäule implizieren das Risiko einer Nervenausfallsymptomatik, nicht nur durch die Verletzung der Nerven, sondern auch durch einen Reizzustand der Nerven nach der Operation. Blutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen können grundsätzlich bei jeder OP auftreten. Da die Spinalkanalstenose mittlerweile eine Volkserkrankung ist, besteht heute große Erfahrung mit diesem Eingriff. Zumal er in der Regel unter dem Mikroskop mit sehr kleinen und feinen Instrumenten durchgeführt wird, ist dies heute ein sehr sicherer Eingriff und sind Komplikationen selten.

 

Kann eine Operation einer Spinalkanalstenose denn auch endoskopisch operiert werden?

Selbstverständlich kann auch die Dekompression des Spinalkanals endoskopisch durchgeführt werden, wenngleich die mikrochirurgische Variante aus gutem Grund der Standard ist. Der Unterschied ist, dass bei der Endoskopie der Hautschnitt nochmal etwas kleiner ist und darum auch die Muskulatur etwas weniger in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Schnitt ist dann nur etwa 1cm lang. Bei der mikrochirurgischen Variante misst er etwa 2,5cm. Das Endoskop ist nur so dick wie ein Bleistift. Über jeweils eigene Kanäle im Endoskop müssen Spülflüssigkeit und Licht jeweils in die Wunde gelangen. Darum muss die Operation mit extrem miniaturisierten Instrumenten durchgeführt werden, die über einen nur Millimeter messenden Kanal eingeführt werden können. Die Endoskopie ermöglicht auch nur eine nur zweidimensionale Übersicht über das OP-Gebiet. Das ist z. B. bei der Entfernung eines Bandscheibenvorfalls vollkommen ausreichend. Bei der Entfernung einer ausgeprägten dreidimensionalen Verengung des Spinalkanals hingegen hat die dreidimensionale Wahrnehmung der OP-Gebiets unter dem Mikroskop und die Verwendung von etwas kräftigeren Instrumententen und Fräsern erhebliche Vorteile was die Sicherheit des Eingriffs, aber auch die Ergebnisqualität angeht.

In der Summe hat die Endoskopie für die Spinalkanalstenose keine wesentlichen Vorteile, aber impliziert rein technisch ein höheres Risiko  Komplikationen und Effektivität betreffend. Für die Spinalkanalstenose kann also grundsätzlich die mikrochirurgische Variante empfohlen werden. 

Wie lange dauert es nach einer Operation einer Spinalkanalstenose bis man wieder fit ist?

Im Grunde kann man das Bett am Tag nach der Operation verlassen, in vielen Fällen sogar am Operationstag selbst. Nach einer erfolgreichen Operation ist es nicht selten, dass die Patienten sogleich eine gewisse Erleichterung in den Beinen verspüren. Oftmals ist eine Verbesserung der Geh- und Stehfähigkeiten schon unmittelbar nach der Operation zu verzeichnen. Manchmal braucht das aber auch um einiges länger. Der stationäre Aufenthalt dauert nur wenige Tage. Im Wesentlichen geht es hierbei um die Kontrolle der Wundheilung und Blutuntersuchungen. Krankengymnastik hilft in den ersten Tagen bei der Mobilisation, insbesondere beim Laufen auf dem Flur oder beim Treppensteigen. In der Regel kann der Patient nach 3 bis 4 Tagen wieder in seine häusliche Umgebung entlassen werden. Eigentlich alle Patienten berichten dann von einer deutlichen Verbesserung ihrer ursprünglichen Beschwerden.

Sollten Sie noch Fragen zum Thema Spinalkanalstenose haben oder einen Termin zur Beratung und Untersuchung Ihrer individuellen Beschwerden bzw. Symptome vereinbaren wollen, können Sie uns gerne direkt hier kontaktieren.

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