Diagnosen

Im Folgenden finden Sie einige Ihnen vielleicht bekannte Begriffe zur Bezeichnung von verschiedenen Diagnosen wieder. In der Fachsprache sind oft verschieden Ausdrücke synonym gebräuchlich. Andererseits kennt der Volksmund eigene Namen. Kurze Erläuterungen sollen helfen, Verwirrung zu vermeiden. Eine genaue Erläuterung durch den Arzt ist im individuellen Fall jedoch sicher notwendig.

Typische Konstellation bestimmter Symptome bezeichnet man als Syndrome. Die häufige Schwierigkeit, eine konkrete Ursache für bestimmte Beschwerdebilder zu finden, hat dazu geführt, daß Syndrome als Arbeitsdiagnosen geführt werden. Die Aufgabe des Wirbelsäulenexperten ist es, solchen Verlegenheitsdiagnosen auf den Grund zu gehen und einem Syndrom eine spezifische Ursache und damit eine konkrete Diagnose zuzuordnen.

Bei sämtlichen Diagnosen kann eine Kompression von Nerven vorliegen. Der Druck kann plötzlich oder langsam zunehmend zu einer neurologischen Symptomatik führen. Dazu gehören neben Schmerzen auch Gefühlseinschränkungen und Kraftverlust, also Lähmungen. Je nach dem wie stark die Nerven durch die Kompression geschädigt werden, können diese Symptome dauerhaft sein. Das Ausmaß der Schädigung kann durch elektrophysiologische Messungen annähernd eingeschätzt werden, wenn die Symptomatik schon viele Wochen besteht. In der akuten Phase ist dies nicht gut möglich. Ausschlaggebend für die Möglichkeit der Erholung der Nervenfunktion ist neben der Beseitigung der Kompression selber eine möglichst kurze Latenz innerhalb derer dieses geschieht. Das heißt vereinfacht, je länger und je stärker Druck auf den Nerven lastet, desto stärker die Schädigung. Die Diagnostik muß also immer auch die neurologische Situation mit erfassen.

Ischialgie

Schmerzen im Bein aufgrund einer Reizung des Nervus ischiadicus, der aus dem Verschmelzen mehrerer Nervenwurzeln entsteht und sich im Verlauf wieder in mehrere Nerven aufzweigt. Dabei kommt es zu einem Durchmischen der Nervenfasern, so daß nun Fasern verschiedener Nervenwurzeln im gleichen peripheren Nerven laufen. Dadurch erklärt sich, daß der Ausfall einer einzelnen Nervenwurzel, z. B. durch einen Bandscheibenvorfall, nicht zwangsläufig zu einer vollständigen Lähmung im Bein führt.

Die Ischialgie ist ein radikulärer Schmerz, d. h. er rührt von der Reizung einer oder mehrerer Nervenwurzeln her. Verschiedene Schmerzsyndrome verursachen ebenfalls Scherzen im Bein, die der Ischialgie sehr ähnlich sind. Man spricht dann von pseudo-radikulären Schmerzen, bzw. einer Pseudoischialgie.

Lumbalgie / Kreuzschmerz

Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, chronisch (langfristig, dauerhaft, immer wiederkehrend) oder akut (neu aufgetreten, kurzfristig). Verschiedenste Ursachen denkbar.

Lumboischialgie

Kombination aus Lumbalgie und Ischialgie. Dementsprechend auch kombinierte Ursachen möglich.

Lumbago / „Hexenschuß“

Perakuter (plötzlicher) stärkster bewegungsunfähig machender Kreuzschmerz mit oder ohne Ausstrahlung ins Bein. Verschiedenste Ursachen denkbar. Oft kein Bandscheibenvorfall, sondern nur eine Blockierung, also eine Verkrampfung der wirbelsäulennahen Muskulatur.

Cervicalgie / Nackenschmerzen

Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule ggf. mit Ausstrahlung und Schmerzen im Arm (Cervicobrachialgie) oder mit Kopfschmerzen (Cervicocephalgie)

Dorsalgie / Rückenschmerzen

Schmerzen in der Brustwirbelsäule

Frakturen

Bruch eines Knochens oder Wirbelkörpers. Nicht immer ist ein Unfall die Ursache. Bei Osteoporose und anderen Stoffwechselerkrankungen ist ein verminderter Kalksalzgehalt und eine Strukturveränderung verantwortlich für eine geringere Widerstandsfähigkeit der Wirbelkörper. Spontane Einbrüche bei normaler Belastung sind dann die mögliche Folge. Auch Infektionen und Tumoren können dazu führen. Eine Fraktur kann konservativ behandelt werden, wenn sie nicht zu einer Deformität oder zu einer Beeinträchtigung der Nerven geführt hat und unter externer Stabilisierung im Korsett unverändert, d. h. stabil bleibt. Andernfalls muß eine operative Stabilisierung und ggf. auch eine Korrektur erfolgen. Hierzu gibt es heute verschiedene perkutane minimal-invasive Möglichkeiten.

 

Rupturen

Riß eines weichen Gewebes. Kommen meist im Rahmen von Unfällen, insbesondere bei großen Beschleunigungen, vor und können zu einer für die Nerven sehr gefährlichen Instabilität führen. Bänderrisse bleiben nicht selten unbemerkt, da sie eine sehr sorgfältige Untersuchung und spezielle Diagnostik erfordern. Sie müssen unbedingt behandelt werden, sind aber schwer nachzuweisen. Daher ist nach einem Unfall unbedingt ein erfahrener Unfallchirurg zu konsultieren.

Auch Bandscheiben können bei einem Unfall zerreißen. Da sie dadurch ihre Funktion verlieren und instabil werden, zieht eine solche Verletzung meist eine Behandlungsbedürftigkeit nach sich.

Bandscheibenvorfall

Seitliche Ansicht lumbaler Bandscheibenvorfall LWS

Bei einem Bandscheibenvorfall tritt der weiche Kern (lat. – nucleus) einer Bandscheibe über einen Riß im äußeren Faserring hervor. Dieser Vorfall (lat. – prolaps) wird je nach Ausprägung auch nur als Vorwölbung (lat. – protrusio) bezeichnet.

Spinale Stenosen

Diagnose Spinalkanalstenose

Verengung des Spinalkanals.Räumliche Enge und Druck auf die Nervenstrukturen ist ein wesentliches Problem im Zusammenhang mit allen möglichen Erkrankungen und Verletzungen der Wirbelsäule. Häufige Ursache ist eine ausgepägte Verschließproblematik der Facettengelenke (vgl. Spondylarthrose). Durch Kapselschwellung und knöcherne Neubildungen geht den Nerven der notwendige Platz verloren. Folgen sind Nevernausfallerscheinungen.

Man unterscheidet nach Ausprägung relative, hochgradige und absolute Stenosen. Neben der konzentrischen Form gibt es auch die Rezessus-Stenose, die nur die seitlichen Bereiche des Spinalkanals betrifft und die Neuroforamen-Stenose, die die Verengung des Ausgangs der Nervenwurzel bezeichnet.

Spondylarthrose

Diagnose Spinalkanalstenose

Degenerative Erkrankung der Facettengelenke (Verschleiß). Häufige Ursache von Rückenschmerzen und Spinalkanalstenose.

Der Gelenkverschleiß führt zu einem Schwellen und Verknöchern der Gelenkkapsel. Dies führt oft zu einer erheblichen Einengung der Nerven im Spinalkanal (vgl. Spinale Stenose).

Oft, aber nicht immer, Folge einer Überlastung im Zuge einer destabilisierenden Bandscheibenproblematik.

„Black Disc“

BlackDisc

Begriff aus der MRT-Diagnostik. Bezeichnet eine in bestimmten Darstellungen schwarz – statt, wie normalerweise, überwiegend weiß – imponierende Bandscheibe als Ausdruck verminderten Wassergehalts. Gilt als Warnzeichen für eine mechanische Überlastung oder den Beginn einer degenerativen Erkrankung der Bandscheibe.

Osteochondrose

Diagnose Osteochondrose

Ausgeprägte degenerative Bandscheibenerkrankung (Verschleiß), die in späteren Stadien außer der Bandscheibe auch die angrenzenden Knochen erfaßt und beispielsweise zu Bandscheibenvorfällen, Stenosen und zu einer Instabilität führen kann. Meist sind starke Schmerzen, oft auch neurologische Symptome die Folge. Die Erkrankung besteht im Wesentlichen in einer substantiellen Zerrüttung der Bandscheibe. Sie ist daher nicht reversibel. Der natürliche Verlauf der Erkrankung mündet über einen Abbau des Bandscheibengewebes in der Verknöcherung und damit in der Fusion der benachbarten Wirbelkörper, also in einer segmentalen Versteifung.

Je nach Verlauf kommt es dabei zu einer Fehlstellung, die sich nachteilig auf die übrigen Wirbelsäulenabschnitte und die Statik und die Biomechanik der Wirbelsäule auswirkt. Darüber hinaus kommt es zu einer Verengung der Nervenkanäle und dadurch wiederum in vielen Fällen zu neurologischen Symptomen.

Ursächlich sind nicht allein das Lebensalter und die individuelle körperliche Belastung. Vielmehr scheint wie bei anderen Erkrankungen auch eine genetische Disposition ausschlaggebend zu sein.

Spondylose

Knöcherne Neubildungen in den Randleisten der Wirbelkörper im Sinne einer Abstützreaktion bei der degenerativen Bandscheibenerkrankung.

Spondylolyse

MRT-Bild Spondylolyse

Kommt es im Laufe der Entwicklung des Skeletts an einer bestimmten Stelle im Wirbelbogen nicht zu einer planmäßigen Verknöcherung, sondern verbleibt eine weichteilige Lücke, so spricht man von einer angeborenen Spondylolyse. Eine solche kann auch durch fortwährende gleichförmige Belastung oder einen unfallbedingten Knochenbruch entstehen. In seltenen Fällen ist das schmerzhaft oder kann daraus ein Wirbelgleiten entstehen.Im schlimmsten Falle kommt es zu einem völligen Abrutschen der Wirbelsäule (Spondyloptose) mit einm hohen Risiko von Nerven-Schädigungen.

Spondylolisthese

Diagnose Spondylolisthese

Ein Wirbelgleiten kann außer durch eine Spondylolyse, durch einen Unfall oder aber durch Strukturschwäche der Bandscheibe entstehen. Man spricht dann von einer Pseudospondylolisthese. Es handelt sich jedenfalls um eine Instabilität, die verschiedene Ausmaße annehmen kann und darum üblicherweise in Grade von 1-4 nach Meyerding eingeteilt wird. Es gibt auch andere Klassifikationen. Eine Behandlungsbedürftigkeit ergibt sich nicht automatisch, sondern erst durch das Aufdecken bestimmter Faktoren durch genaue Untersuchung unter Berücksichtigung individueller Umstände.

Skoliose

MRT Bild de novo Skoliose

Ein Wirbelgleiten kann außer durch eine Spondylolyse, durch einen Unfall oder aber durch Strukturschwäche der Bandscheibe entstehen. Man spricht dann von einer Pseudospondylolisthese. Es handelt sich jedenfalls um eine Instabilität, die verschiedene Ausmaße annehmen kann und darum üblicherweise in Grade von 1-4 nach Meyerding eingeteilt wird. Es gibt auch andere Klassifikationen. Eine Behandlungsbedürftigkeit ergibt sich nicht automatisch, sondern erst durch das Aufdecken bestimmter Faktoren durch genaue Untersuchung unter Berücksichtigung individueller Umstände.

Die äußerlich sichtbare Verkrümmung der Wirbelsäule ist meist die Folge einer Instabilität oder einer multisegmentalen Fehlstellung der Wirbelkörper größerer Wirbelsäulenabschnitte. Sie entsteht aufgrund einer Vielzahl von beeinflussenden, bzw. verursachenden Faktoren und unterliegt einer sehr großen individuellen Varianz. Jede Skoliose bedarf daher einer intensiven Analyse durch einen Experten. Grundsätzlich unterscheidet sich die typische Skoliose im Wachstum junger Menschen (Juvenile Skoliose) von der skoliotischen Deformität im Alter (de-novo-Skoliose). Genaue Zusammenhänge sind aber kompliziert und immer individuell unterschiedlich. Sie bedürfen daher grundsätzlich ausführlicher Erläuterung durch den Arzt.

Kyphose – Lordose

Während eine moderate Kyphose an der BWS ganz normal ist, sind die HWS und LWS normalerweise im Sinne einer Lordose nach hinten gekrümmt. Die unterschiedlichen Krümmungen gleichen sich in der Summe aus und sorgen für eine flexible Stabilität der Wirbelsäule. Eine übermäßige Krümmung in einzelnen Bereichen bringt sie ggf. aus dem Gleichgewicht, führt zu Beschwerden und diversen Komplikationen und muß daher behandelt werden. Eine Übermäßig Krümmung der Wirbelsäule nach vorne bezeichnet man korrekterweise als Hyperkyphose, eine übermäßige Krümmung nach hinten als Hyperlordose. Eine Hyperlordose der LWS bezeichnet man als Hohlkreuz. Eine Hyperkyphose der BWS führt zu einem Rundrücken. Kompensatorisch kann die eine die andere Krümmung bedingen (Hohlrundrücken).

Morbus Scheuermann

Kommt es im jugendlichen Wachstum zu einem verminderten Aufbau der Wirbelkörpervorderkanten, sind asymmetrische Wirbelkörper die Folge. In der Summe kommt es zu einer Hyperkyphose und damit zur Ausbildung eines Rundrückens (Adoleszenten-Kyphose). Nur in extremen Fällen muß eine Behandlung erfolgen.

Eine Ansammlung von Mikroorganismen in einem Gewebe bezeichnet man als Infektion. Diese kann den ganzen Körper betreffen (Sepsis), die Blutbahn (Bakteriämie) oder lokal begrenzt sein. Kommt es zu einer Eiteransammlung und dadurch zu einer neuen Körperhöhle, nennt man dies Abszeß. Der Ausbruch von Keimen und deren Streuung in andere Bereiche kann zu schwerwiegenden Folgen führen.

Psoas-Abszeß

Besiedlung der wirbelsäulennahen Muskulatur durch Mikroorganismen (z. B. Bakterien) mit Eiteransammlung. Eine Streuung über die Blutbahn (Bakteriämie), eine Blutvergiftung (Sepsis), eine Abszedierung in allen benachbarten Bereichen sind jederzeit möglich.

Epiduraler Abszeß

Eiteransammlung im Spinalkanal und damit rund um das Rückenmark und die dieses einhüllende Haut (Dura mater). Eine Streuung über die Blutbahn (Bakteriämie), eine Blutvergiftung (Sepsis), eine Abszedierung in der benachbarten Muskulatur (Psoas-Abszeß) sind jederzeit möglich. Die größte Gefahr stellt die Entzündung der Hirnhaut (Meningitis), bzw. des Gehirns (Enzephalitis) dar.

Spondylitis

Besiedlung eines oder mehrerer Wirbelkörper durch Mikroorganismen (z. B. Bakterien) mit Vereiterung des Knochens (Osteitis). Eine Streuung über die Blutbahn (Bakteriämie), eine Blutvergiftung (Sepsis), eine Abszedierung in der benachbarten Bandscheibe (Spondylodiszitis), der Muskulatur (Psoas-Abszeß) oder im Spinalkanal (epiduraler Abszeß) sind jederzeit möglich.

Diszitis

Besiedlung einer oder mehrerer Bandscheiben durch Mikroorganismen (z. B. Bakterien) mit Eiteransammlung im weichen Kern der Bandscheibe. Eine Streuung über die Blutbahn (Bakteriämie), eine Blutvergiftung (Sepsis), eine Abszedierung im benachbarten Wirbelkörper (Spondylodiszitis), der Muskulatur (Psoas-Abszeß) oder im Spinalkanal (epiduraler Abszeß) sind jederzeit möglich.

Spondylodiszitis

MRT Bild Spondylodiszitis

Besiedlung eines oder mehrerer Wirbelkörper und einer oder mehrere Bandscheiben durch Mikroorganismen (z. B. Bakterien) und Vereiterung. Eine Streuung über die Blutbahn (Bakteriämie), eine Blutvergiftung (Sepsis), eine Abszedierung in der benachbarten Muskulatur (Psoas-Abszeß) oder im Spinalkanal (epiduraler Abszeß) sind jederzeit möglich.

Meningitis

Besiedlung der Hirnhäute durch Mikroorganismen (z. B. Bakterien) mit Vereiterung angrenzender Bereiche. Schwerwiegende neurologische Defizite und eine Ausweitung zur Enzephalitis sind unmittelbar drohende Gefahren.

Enzephalitis

Besiedlung des Gehirns durch Mikroorganismen (z. B. Bakterien) mit Vereiterung. Schwerwiegende Schäden am Zentralen Nervensystem bis hin zum Tod sind möglich.

Bakteriämie

Anwesenheit von Mikroorganismen (z. B. Bakterien) in der Blutbahn. Dadurch sind Streuung, Besiedlung, Vereiterung und weitere Ausbreitung der Infektion in allen Bereichen des menschlichen Körpers möglich.

Sepsis

Blutvergiftung. Versagen des Kreislaufs und mehrerer Organe ist eine mögliche, ggf. tödliche Folge.

Tumor Wirbelsäule

Grundsätzlich kann sich hinter jedem Symptom eine Krebserkrankung verstecken. An der Wirbelsäule sind Geschwulste (Tumoren) eher selten, Absiedlungen (Metastasen) aber im Falle einer Erkrankung nicht selten. Manchmal wir der tragende Knochen verdrängt oder abgebaut, so daß eine Wirbelkörperfraktur entstehen kann. Der Ausschluß solcher Dinge gehört zur sauberen Diagnostik an der Wirbelsäule.

Kochen Gesund
Knochen Krank

Ein verminderter Kalksalzgehalt und eine veränderte Struktur der Wirbelkörper sind typisch für die Osteoporose. Eine Knochendichtemessung gibt darüber Aufschluß. An der Wirbelsäule hat die Osteoporose nicht selten die Folge, daß ein oder mehrere Wirbelkörper einbrechen. Wirbelkörperfrakturen sind darum gerade bei älteren Frauen häufig, können aber auch bei Männern und – unabhängig vom Alter – bei anderweitigen Stoffwechselstörungen und bei Tumoren vorkommen.